Innerer Kampf

Innerer Kampf

Verschlungen, verwachsen, vereint seit langer Zeit,
Blätterdach recken und strecken sich so unendlich weit,
die Stämme, verdreht in Kurven sich reckend,
stoßen Blätter an Blätter, sich liebevoll neckend,
ewiger Kampf, ums Überleben und Sonne,
dicht beieinander, erfüllt in zärtlicher Wonne.

Dem Boden das Wasser abwechselnd nehmen,
der eine muss sich vor dem anderen nicht schämen,
ein sanftes Lied der Wind singt, wenn er weht,
glücklich einer im Schatten des anderen dort steht,
doch ist da auch Sehnsucht, ein innerer Zwang,
voneinander zu trennen, ein mächtiger Drang.

Das wird nicht gelingen, zu fest verbunden für immer,
verschlungen, verwachsen im goldenen Sonnenschimmer,
zerborsten, zerbrochen, zersplittert am Boden aufschlagend,
vergangen, niemals mehr hoch in den Himmel aufragend,
voller Neid gilt ihr Blick den anderen, allein dort stehend,
aufgereckt, gerade gewachsen, aber vielleicht allein vergehend.

Traurig innen drinnen, verharren sie dort,
der eine der kann nicht vom anderen fort,
würden gern einmal einen der anderen umschlingen,
um ihnen das gleiche, ersehnte Gefühl zu bringen,
sind neidisch, traurig und glücklich im Herzen,
die Gegenwart des anderen lindert die Schmerzen.

© 2017 Uwe Tiedje

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