Schüsse auf Mehrfamilienhaus in Telgte

Schüsse auf Mehrfamilienhaus

Die menschliche Empfindung ist doch etwas sehr rätselhaftes. Wenn im fernen Paris oder London Schüsse fallen, empfinden wir zwar Mitgefühl für die Betroffenen, verdrängen es jedoch nach ein paar Tagen aus unserem Bewußtsein. Ein natürlicher Schutzreflex, um das Geschehen nicht zu dicht an sich heran zu lassen, um nicht ständig darüber nachzugrübeln und in Angst zu verfallen.

Geschieht es jedoch in der direkten Nachbarschaft, verhält es sich ganz anders. Der Ort des Geschehens befindet sich von mir weniger als 500 m Luftlinie entfernt, direkt gegenüber von meinem Arbeitgeber. Die Polizei vermutet zwar keinen terroristischen Hintergrund, aber ganz ausschließen, dagegen sträubt sich das Innere doch erst einmal.

Zu den Geschehnissen:

Am 21.02. durchsuchte die Polizei mit einem  SEK-Kommando und Hunden eine Wohnung in der Vöhrumer Straße in Telgte. Aufgrund eines dringenden Verdachtes hatte die Staatsanwaltschaft Hildesheim einen Durchsuchungsbefehl ausgestellt. Ein 41 jähriger wurde verdächtig, im Besitz von Pistolen und Gewehren zu sein. Ein terroristischer Hintergrund wurde allerdings nicht vermutet, darauf gab es keinen Hinweis. Man fand jedoch lediglich eine Schreckschusspistole und einen Schlagring. Ausschlaggebend für den Einsatz waren Zeugenaussagen. Der Verdächtige wurde kurz nach der Durchsuchung auf freien Fuß gesetzt.

Am vergangenen Sonntag nun wurden Schüsse aus einem vorbeifahrenden Auto auf das gleiche Mehrfamilienhaus abgegeben. Da nicht die gleiche Wohnung getroffen wurde, gibt es nach den aktuellen Ermittlungen keinen Zusammenhang zwischen den Vorfällen, so die Hildesheimer Staatsanwaltschaft. Mit welcher Waffe geschossen wurde und zu der Spurenlage selbst wollte die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstechnischen Gründen nicht Stellung beziehen.

Soweit das Geschehen.

Wenn so etwas in Berlin, Hamburg oder Frankfurt passiert, empfindet man das schon fast als normal, weil in Großstädten solche Geschehnisse schon an der Tagesordnung sind. Aber in Peine, einer Kleinstadt in Niedersachsen mit ca. 50.00 Einwohnern gehört es eben nicht zur Tagesordnung.

In der Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin, mein Leben bis zum heutigen Tage verbracht habe, da betrifft es mich direkt, wie jeden anderen Peiner auch. Es erschreckt uns, wenn die Gewalt in unsere nächste Umgebung eindringt und wir nicht einmal die Gründe dafür kennen. Man bekommt Angst – Angst, weiter gemütlich durch die Straßen zu schlendern, die Kinder aus dem Haus zu lassen. Man hofft und bangt, das die Geschehnisse etwas einmaliges bleiben und das sich die Sorge vor Wiederholung in Luft auflöst.

Nun, ehrlich gesagt, das Geschehen löst ein mulmiges Gefühl in mir aus, doch werde ich mein Leben weiterführen wie bisher, auch wenn es vielleicht das eine oder andere Mal schwerer fällt. Doch wenn wir anfangen, uns von der Angst beherrschen zu lassen, lassen wir uns von gewaltbereiten Elementen unser Leben diktieren. Dazu bin ich keinesfalls bereit. Niemand sollte dazu bereit sein.

Hoffen wir alle das Beste. Das die Polizei die Verantwortlichen schnell fasst und wir wieder unseren normalen Tagesablauf aufnehmen können und nicht weiter darüber nachdenken müssen, was als nächstes passiert.

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