Das Ei – Gegenstand des täglichen Lebens

Das Ei – Gegenstand des täglichen Lebens

Seit Urzeiten ist das Ei ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens. Für manche bildet es gar das Zentrum ihres Seins. Es ist aus den Küchen nicht wegzudenken.

Man kann viel über Eier sagen. Es gibt sie in weiß, in grau, in den Güteklassen A und B, in den Größen XL, M, L und S. Wenn man einigermaßen auf Zack ist, kann man über die Buchstaben des Ländercodes auf der Verpackung sogar das Herkunftsland in Europa, über zwei Ziffern das Bundesland, aus dem sie kommen, ermitteln.

Jonathan Swift hat sogar einmal ein Buch über einen dramatischen Eierstreit geschrieben. Es hieß Gullivers Reisen. Der Streit war entstanden, weil sich der Großvater des Kaisers einst beim Öffnen eines Eies an der breiten Seite in den Finger geschnitten hatte und daraufhin verfügte, alle seine Untertanen müssten ihre Eier am spitzen Ende öffnen. Dies hat in Liliput sogar zu Aufständen geführt.

Auch über den Verzehr von Eiern gibt es geteilte Meinungen. Man isst sie gekocht, manche bevorzugen sie hart, manche weich, oft mit Salz oder Maggi. Der eine bevorzugt Rührei, der andere Spiegelei. Es gibt Eier im Glas, Eiersalat, Eier in Senfsoße, Eierragout, Eierfrikassee, Eierfrikadellen und vieles mehr.

Auch gibt es da einen Streit unter Gelehrten. Was denn zuerst da war, das Huhn oder das Ei. Ohne näher auf die philosophischen Hintergründe einzugehen, ist bewiesen – das Ei!

Längst haben Evolutionsforscher diese Frage geklärt. Hühner gehören zu den Vögeln und die gibt es seit rund 150 Millionen Jahren auf der Erde. Eier sind aber unter anderem auch schon von Riesenlibellen vor 300 Millionen Jahren gelegt worden. Was für mich persönlich die Theorie der Evolutionsforscher erheblich schwächt. Was haben schließlich Eier von Riesenlibellen mit unserem wohlschmeckenden Ei zu tun, das wir täglich in der Küche verarbeiten?

Auch für unsere lieben Kleinen gibt es Eier aller Art und Couleur. Da gibt es Schokoladeneier, Marzipaneier, Baiser Eier und viele mehr. Man lese und staune – sogar Überraschungseier. An dieser Stelle können wir getrost festhalten, dass Eier aus dem Leben unserer Kinder nicht wegzudenken und für diese ein wichtiges Grundnahrungsmittel geworden sind.

Es kursiert seit Jahrhunderten sogar das Gerücht, das ein niedliches, lieblich anzuschauendes Säugetier zu Ostern die Hühner bei der Eierproduktion unterstützt. Der Osterhase.

Zugegeben, niemand hat ihn je erblickt, diesen possierlichen Eierbringer. Doch jedes Jahr legen sich angeblich Scharen von Osterhasenjägern auf die Lauer, bewaffnet mit Kameras, mit und ohne Stativ, oder mit Handys, um das eine Foto von dem Langlöffel zu schießen. Das Foto, das ihnen in Fachkreisen den heißbegehrten Titel des erfolgreichen Osterhasenjägers einbringt. Oder den wahnsinnigen Geldbetrag, den manche Zeitungsleute angeblich für ein echtes Foto des Osterhasen zahlen würden.

Es existiert aber noch eine andere Form von Eiern. Das menschliche Ei. Aus dem dann die kleinen Naschkatzen entstehen, die jedes Jahr wieder durch Wohnung, Garten, Wald und Umgebung streunen und mit Herzenslust und riesiger Freude die Frucht jenes Säugetieres suchen. Das Osterei.

Nicht zu vergessen das männliche Ei. Längst hat sich unter Frauen herumgesprochen, dass dieses, nennen wir es einmal männliche Organ, das nur paarweise vorkommt, eine Schwachstelle der männlichen Stärke ist. Wie Milliarden von Frauen in Jahrhunderten herausgefunden und ausprobiert haben, wirkt gegen männliche Brutalität nichts so gut, wie der sprichwörtliche Satz: „Lass mich in Ruhe oder ich trete dir in die Eier.“ Nicht nur ausgesprochen, sondern auch knapp, präzise und heftig ausgeführt, legt dieser Tritt den stärksten Macho für eine geraume Zeit lahm.

Unglaublich, wie sehr solch ein kleiner, ovaler Gegenstand unser tägliches Leben prägt. Es ist ein Phänomen, dem Wissenschaftler in allen Epochen und Ländern seit Jahrhunderten nachspüren und noch immer nicht alle Einzelheiten geklärt haben. Von Gedanken beflügelt – der Frage, was zuerst da war, Ei oder Huhn, Gedanken über das Fabeltier Osterhase, bis hin zu der existentiellen Frage, was ist im Überraschungsei – wird das Phänomen Ei auch die nächsten Jahrhunderte noch die Forscher beschäftigen. Wer weiß schließlich, welch dunkle Geheimnisse noch an diesem Vogelprodukt zu entdecken sind.

Eines jedenfalls steht unumstößlich fest – wir brauchen es, wir lieben es und wir können ohne es nicht mehr Leben. Es trägt so viel zum Wohlergehen unserer Zivilisation und unserem eigenen Wohlempfinden bei, dass wir es nicht mehr entbehren können.

Das Ei ist die segensreichste Erfindung seit Bestehen der Welt.

© 2017 Uwe Tiedje

4 thoughts on “Das Ei – Gegenstand des täglichen Lebens

  1. Frohe Ostern, lieber Uwe, ich musste während des Lesens über eine Passage laut lachen.
    Ansonsten sehr gut geschrieben!!! Ich war selber mal eine Hühnerfee.
    Auch wenn mir nicht immer zum Lachen ist. Wem schon? Das Leben ist oft nur mit Humor und einem Augenzwinkern zu ertragen. Ich lese sehr gerne DEINE TEXTE. Danke dafür.
    „Der Hahn“
    Lüstern sprach der Hahn zur Henne: »Komm, wir gehen auf die Tenne,
    weil ich gerne mit DIR penne!«
    Die jedoch meinte gleich: » Das ist wirklich nicht mein Reich, machen wir es hier und gleich, wo`s am Schönsten ist und weich.
    Er wollte wissen wo das ist.
    »Du Trottel, auf dem Mist!«
    ©Christine Kayser Leipzig

  2. Lieber Uwe,
    Deine Gedanken über das Ei sind wirklich lesenswert. Doch einen Aspekt des Eies hast du ausgelassen, nämlich das faule Ei, das es ja auch in allen Belangen unseres Lebens gibt.
    LG Hanne-Lore

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