Tödlicher Anstoss

Die deutschen Behörden erhalten eine E-Mail von der NSA und sind alarmiert, da die Fussballweltmeisterschaft 2006 näher rückt. Man geht von einem geplanten terroristischen Attentat aus. Eine Warnung vor einem Anschlag auf das Münchner Rathaus erhöht die Angst zusätzlich. Aber noch ist auch das Eröffnungsspiel nicht sicher. Die Beamten kommen einer groß angelegten Verschwörung auf die Spur…

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Leseprobe:

Peschawar, Pakistan

Draußen knatterte ein Motorrad die Straße entlang und Raschid Bajun sah von seiner Arbeit auf. Von dem Bildschirm seines Computers fiel fahler Lichtschein in das schäbige Hotelzimmer. Er drehte sich um und schaute zum Bett hinüber. Das Mädchen schlief nach wie vor tief und fest.

Sie war eine Enttäuschung für ihn, wie so viele ihres Gewerbes vor ihr. Die verrutschte Bettdecke gab den Blick auf ihren nackten Rücken frei. Ihr schwarzes, langes Haar breitete sich auf dem grauen Kopfkissenbezug aus.

Bajun schwitzte. Sein massiger Körper war für die Hitze, die seit Tagen über der pakistanischen Stadt lastete, nicht gebaut. Als er die Arme hob, um sich ausgiebig zu strecken, wurden Schweißflecken auf dem T-Shirt sichtbar.

Das Telefon schrillte.

Unruhig wälzte sich das Mädchen auf die andere Seite. Während Bajun aufstand und zu dem kleinen Beistelltisch hinüberging, glitt sein Blick kurz über ihre kleinen, festen Brüste.

Das Telefon schrillte erneut.

Seufzend wandte er sich von dem verlockenden Anblick ab und ging die letzten Schritte zum Telefon. Er dachte einen Moment darüber nach, vielleicht einen zweiten Versuch mit dem Mädchen zu unternehmen, doch die Neugier siegte. Er nahm den Hörer ab.

„Hallo“, meldete er sich.

„Auftrag ausgeführt!“

Ein Klicken ertönte, als der Anrufer aufgelegte. Raschid Bajun warf den Hörer auf die Gabel zurück.

Seine Hände fuhren durchs Gesicht. Dabei rann ihm Schweiß in die Augen. Fluchend ging er ins Bad und drehte das kalte Wasser auf. Mit beiden Händen fing er das kühle Nass auf und rieb es sich durchs Gesicht. Sofort ließ das Brennen in den Augen nach.

Mit dem schmutzigen Handtuch trocknete er sich ab und ging zurück ins Zimmer. Er setzte sich an den Tisch und wandte sich dem Computer zu. Mit einem Mausklick öffnete er eine neue E-Mail. Seine kurzen, dicken Finger flogen über die Tastatur und verfassten den Text. Er wählte den Empfänger aus und schickte die E-Mail ab.

Zufrieden wandte sich Bajun dem Mädchen zu. Sein Auftrag war erledigt und nun konnte er sich den Verlockungen hingeben. Vielleicht würde der zweite Durchgang ihn mehr befriedigen.

Islamabad, Pakistan

Der kleine, abgeschlossene, fensterlose Raum war erfüllt vom Surren der Klimaanlage und den ratternden Lüftern. Hier stand der Zentralrechner, über den die Verbindungen mit dem weltweiten Internet liefen. Datenpakete kamen an und gingen nach kurzem Aufenthalt wieder hinaus, wenn der gewünschte Rechner am anderen Ende der Leitung signalisierte, dass er empfangsbereit sei.

Eine neue Sendung kam herein, die der Rechner als E-Mail identifizierte. Unbemerkt von den Systembetreuern, die über diesem Raum im Erdgeschoß die Arbeit des Zentralrechners überwachten, nahm der Virus seine Arbeit auf. Gut versteckt tief im Betriebssystem des Computers lauerte er, stets bereit seine Aufgabe zu erfüllen, die darin bestand, E-Mails bestimmter Absender um einen zusätzlichen Empfänger zu erweitern.

Der Virus checkte die einkommende E-Mail, entdeckte einen Absender, der in einer seiner Datenbanken gespeichert war und fügte umgehend der E-Mail einen weiteren Empfänger hinzu.

Das Datenpaket nahm nun den gewohnten Gang durch den Zentralrechner und wurde an den Zielcomputer weitergeleitet.

Während Raschid Bajun sich in Peschawar nichts ahnend mit dem Mädchen vergnügte, legte sich der Virus wieder schlafen.

München, Deutschland

Die Luft in dem kleinen Konferenzzimmer war zum Schneiden dick. Etwas mehr als dreißig Männer und Frauen saßen eng beieinander an den U-förmig aufgestellten Tischen und schauten den Mann an, der gerade die Folie vom Projektor herunternahm und ihn ausschaltete.

„Soviel zu den Neuerungen in der Abwicklung des Warenausgangs“, verkündete Peer Jansen und legte die Folie zu den anderen auf den Tisch. „Hat noch jemand Fragen?“

Ein älterer, grauhaariger Mann mit Brille meldete sich. „Haben wir durch die neue Abwicklung eher Feierabend?“

Gelächter!

Auch Peer Jansen musste lächeln. Er schüttelte den Kopf. „Nein Herr Schlüter, ich denke, durch das zusätzliche Volumen werden sich die Arbeitszeiten eher verlängern. Aber darüber müssen Sie sich keine Sorgen machen. Sobald wir genauere Zahlen haben, werden wir die Anzahl der Mitarbeiter neu kalkulieren oder alternativ dazu mit dem Betriebsrat über eine Änderung der Arbeitszeitregelung diskutieren.“

Er schaute erneut in die Runde. „Weitere Fragen?“

Als sich niemand weiter meldete, nickte er. „Gut, dann wünsche ich weiterhin frohes Schaffen und nachher allen einen schönen Feierabend!“

Lärm setzte ein, als Stühle geschoben wurden und die Mitarbeiter den Raum verließen.

Peer Jansen trat ans Fenster und schaute hinaus. Links von ihm befanden sich die Verladetore des Lagers. Wechselbrücken, Überseecontainer und Trailer standen bereit und wurden beladen. Ein LKW fuhr in gleichmäßigem Tempo neue Wechselbrücken heran, zog bereits beladene ab. Das gelbe Warnlicht auf dem Dach stach in der einsetzenden Dämmerung in Jansens Augen.

Er schaute auf die Uhr. 17.30 Uhr.

Ihm wurde bewusst, dass er wieder einmal nichts gegessen hatte. Durch Änderungen des Kunden in der Belieferung seiner Möbelhäuser war es nötig gewesen, die neuen Abläufe mit den Mitarbeitern zu besprechen. Dies hatte er heute getan. Zuerst mit der Frühschicht und soeben mit der Spätschicht. Das waren lange und ermüdende Gespräche gewesen. Wie immer, wenn er den Staplerfahrern Neuerungen erläuterte, um sicherzustellen, dass alles zur Zufriedenheit des Kunden ablief.

Erschöpft ließ er sich auf einen Stuhl fallen. Nur noch das Vorstellungsgespräch, nahm er sich vor, dann fährst du nach Hause. Morgen ist auch noch ein Tag.

Die Tür öffnete sich und Hans Winkler trat ein. Er verzog das Gesicht angesichts der dicken Rauchschwaden.

„Puh, das ist ja schlimmer als in der Kneipe“, stöhnte er und ging zur Fensterfront hinüber. Hastig kippte er drei Fenster auf.

„Na Chef, alles klar? Du siehst müde aus.“

Peer Jansen schaute auf. Er blickte in das vertraute Gesicht unter den kurz geschorenen blonden Haaren. Die lächelnden Augen hinter der Brille seines Lagermeisters bauten ihn wieder etwas auf.

„Nicht mehr als sonst, Hans“, antwortete er. „Und wie sieht es bei dir aus, Meister?“

Winkler ließ sich in einen Stuhl fallen. Obwohl seine Schicht erst vor drei Stunden begonnen hatte, wirkte er erschöpft. „Das Übliche halt. Der Frühschicht den Müll nachräumen, der liegen geblieben ist und ansonsten damit fertig werden, dass mein Wareneingang wieder einmal die falschen Container zur Entladung ausgesucht hat.“

„Die falschen Container?“

Winkler nickte. „Wenn das so weitergeht, Chef, schaffen wir das Pensum nicht, das du uns vorgegeben hast. Sieht nicht so aus, als wenn heute acht leer werden, eher sechs.“

Jansen seufzte. Bei der Menge an Containern, die sich im Containerterminal stapelte, mussten seine Leute mächtig arbeiten. Er hatte dem Kunden sechzehn leere Container pro Tag zugesagt, um die anfallenden Standgelder gering zu halten. Nun erwartete der Kunde auch sechzehn.

„Wo liegt das Problem, Hans?“

„Das weißt du doch. Du siehst in der EDV,  dass die Ware auf Paletten steht. Also Gabelstapler rein in den Container, Palette raus. Maximale Zeit – eine Stunde.

Nun kommt der Container an, du machst ihn auf und was siehst du? Nix Paletten, alles Kartons, alles lose. Statt zwei Mann im Container fünf, statt einer Stunde sind es dann vier Stunden Arbeit, Minimum“, antwortete Winkler grimmig.

Jansen nickte. Das alte Lied. Fehlerhafte Datenpflege bei Möbel Sander, seinem Kunden.

„Gib die Artikelnummern, die fehlerhaft im System stehen, an Peter. Er soll morgen die entladene Containeranzahl an Dortmund melden und die Container mit den fehlerhaften Daten kennzeichnen, zur Begründung, warum wir keine sechzehn entladen haben.“

Peter Meyer war sein Stellvertreter. Zu dessen Aufgaben gehörte die tägliche Meldung über die Anzahl entladener Container an die deutsche Zentrale von Möbel Sander.

„Mache ich. Aber erst habe ich noch eine Hiobsbotschaft.“

Jansen schaute seinen Lagermeister erwartungsvoll an.

„Dimitri Persov ist bei der Beladung eines Trailers mit dem Gabelstapler von der Rampe gefallen.“

Jansen saß da wie erstarrt. „Ist mit ihm alles in Ordnung?“

Winkler winkte ab. „Nichts passiert. Er ist abgesprungen und der Gabelstapler ging allein über den Rand.“

„Gott sei Dank. Verdammt Hans, wie konnte so etwas passieren?“

„Frag nicht mich, frag den Fahrer draußen.“ Er zeigte auf das Fahrzeug mit dem gelben Blinklicht, dass gerade vor dem Fenster vorbeifuhr. „Wie es aussieht, war der Trailer nicht angebremst.“

Jansen starrte Winkler in die Augen. „Wenn das stimmt Hans, rufe ich seinen Chef an und lasse ihn feuern. Das ist unverantwortlich.“

Winkler nickte. „Ist es.“

„Wie schätzt du den Schaden am Gerät ein?“

„Schwer zu sagen. Der Rahmen ist verzogen und die Batterie herausgerutscht. Der Batteriekasten ist mächtig verbeult. Der Monteur kommt gleich Morgen früh.“

Die Tür öffnete sich und Andrea Degen trat ein. Sie trug eine dunkelblaue Bluse und einen knallroten, langen Rock. Ihre braunen, lockigen Haare fielen bis auf ihre Schultern herab und auf ihrer Nase saß eine breite, goldene Brille.

„Na ihr zwei“, grüßte sie gutgelaunt, „euer Bewerber wartet draußen.“

Sie legte eine Klarsichthülle vor Jansen auf den Tisch.

Jansen schaute seine Sekretärin an. „Danke Andrea, herein mit ihm. Über die andere Sache reden wir morgen weiter, Hans. Die Verlader sollen die Fahrzeuge genauestens kontrollieren, damit so etwas nicht noch einmal passiert.“

Andrea Degen kam mit einem großen, schlanken Mann herein und bot ihm Jansen und Winkler gegenüber einen Platz an. Mit seinen schwarzen, wachsamen Augen musterte er Jansen aufmerksam.

„Guten Tag Herr Kasil. Bitte verzeihen Sie, ich muss Sie zuerst einmal fragen, ob Sie unsere Sprache sprechen?“

Als Kasil nickte, bewegten sich seine schulterlangen, schwarzen Haare. „Ja, ich spreche deutsch. Ich bin hier aufgewachsen.“

„Sehr gut“, sagte Jansen erfreut. „Entschuldigen Sie bitte noch einmal die Frage, aber wir haben sehr viele Bewerber hier und viele davon sprechen nur ihre Muttersprache.

Ich sehe hier in den Unterlagen, dass Sie aus dem Libanon stammen. Darf ich fragen, aus welchem Grund sie ihr Heimatland verlassen haben?“

„Mein Vater kam in den siebziger Jahren mit meiner Mutter und mir nach Deutschland und bat um politisches Asyl.“

Jansen nickte. „Ich verstehe. Doch nun will ich uns kurz vorstellen. Mein Name ist Peer Jansen und ich leite dieses Lager für die Firma Logistic Circle. Wir arbeiten als Logistik Dienstleister für die Firma Möbel Sander, der auch dieses Lager gehört. Wir entladen hier alle für Möbel Sander bestimmten Waren, die per LKW oder Überseecontainer ankommen. Im Gegenzug stellen wir nach den Vorgaben unseres Kunden Sendungen zusammen, die wir an dessen Möbelhäuser liefern.

Herr Winkler ist einer unserer Lagermeister. In seiner Schicht werden Sie arbeiten, wenn wir uns einigen und ein Arbeitsvertrag zustande kommt. Er wird Ihnen nun kurz erläutern, welche Tätigkeiten wir in diesem Lager ausführen und anschließend werde ich Ihnen etwas über Konditionen, Arbeitszeiten und so weiter erzählen. Bitte, Hans.“

Während Hans Winkler Jasir Kasil die Arbeitsabläufe erläuterte, musterte Jansen den Libanesen. Tief in seinem Inneren regte sich etwas, nur ein Gefühl. Er horchte in sich hinein, konnte dieses Gefühl jedoch nicht genau analysieren. Doch er wusste instinktiv aus vielen ähnlichen Situationen der Vergangenheit, dass Jasir Kasil kein Mitarbeiter für ihn war.

Trotzdem verließ der Libanese rund dreißig Minuten später das Büro als neues Mitglied der Firma Logistic Circle. Nachdem er die Formalitäten beim Pförtner hinter sich gebracht hatte und die Straße vor dem Lager entlang ging, zog er sein Handy aus der Jackentasche. Aus dem Kopf tippte er eine Nummer ein und wartete, bis abgenommen wurde.

„Hier Jasir. Ich bin drin!“

Er legte auf und ging fröhlich über den Mitarbeiterparkplatz zu seinem Auto.

Fort Meade, Maryland, USA

Seit über zehn Jahren arbeitete Gareth Flynn bei der National Security Agency, bekannt auch als NSA. Die Behörde wurde 1940 von Präsident Harry Truman unter dem Namen Army Security Agency, kurz ASA,  als Unterabteilung des Pentagon gegründet. 1949 wurde sie umgetauft zur Armed Forces Security Agency, abgekürzt AFSA, und am 4. November 1952, dem Tag der Wahl von Dwight D. Eisenhower zum Präsidenten der USA, in die NSA umgewandelt, mit dem Auftrag ausländische Nachrichtenverbindungen abzuhören.

Gareth Flynn schaute durch die Fenster seines Büros über die riesige Parkplatzfläche auf die ausgedehnten Wälder um Fort Meade. Die Fenster des Hauptquartiers und Operationszentrums bestanden unter der schwarzen Glasfassade aus einer Schutzschirmtechnik mit Kupfer, damit kein elektronisches Signal nach außen drang.

Der stellvertretende Direktor nahm hinter seinem riesigen Schreibtisch mit der Walnussplatte Platz und griff nach einem der Aktenordner, die dort griffbereit lagen. Bis auf ein paar Aktenschränke, die hinter ihm an der Wand standen, und eine schwarze Ledergarnitur mit Glastisch war das große Büro leer.

Die Gegensprechanlage auf dem Schreibtisch summte leise. Flynn drückte den Sprechknopf.

„Ja, Carol?“

Die Stimme seiner Sekretärin kam verzerrt über die Sprechanlage.

„Karl Taylor ist hier, Mr. Flynn!“

„Schicken Sie ihn bitte herein.“

Sekunden später öffnete sich die Stahltür und Karl Taylor trat ein. Er hatte ungefähr Flynns Größe, kurz geschnittene braune Haare und eine kleine, runde Studentenbrille mit schwarzem Rahmen auf der Nase. Er trug Holzfällerhemd und Jeans. Beides schlotterte um seinen mageren, ausgemergelten Körper.

Neben Gareth Flynn, der mit seinem eintausend Dollar Maßanzug auch an der Wall Street arbeiten konnte, wirkte er seltsam fehl am Platz. Doch der äußere Schein täuschte. Taylor war das Computergenie der NSA. Er hätte jederzeit bei einer der Firmen im Silicon Valley einen Job bekommen, doch das astronomisch hohe Gehalt und die Leitung der Abteilung für die  Überwachung des Internets, die Weiterentwicklung und Wartung des behördeneigenen Intranets Webworld und die Mitarbeit am Intranet Intelink, an dem außerdem CIA und NRO beteiligt waren, hatten ihn eingefangen.

„Guten Morgen, Karl. Da Sie es dringend gemacht haben, habe ich meinen Flug nach Kairo verschoben. Bringen wir es schnell hinter uns, damit ich die nächste Maschine bekomme.“

Er deutete zu der Sitzgruppe. Während sich Taylor auf das Sofa fallen ließ, setzte Flynn sich ihm gegenüber in einen Sessel. Wortlos reichte er dem stellvertretenden Direktor eine schmale Aktenmappe. Gareth Flynn schlug sie auf und überflog den Computerausdruck darin.

5223513 APLLURT 060602  PFLAUMEN AUF TORTEN SIND YETZT NEU

Flynn schaute Karl Taylor direkt an. „Ergibt für mich keinen Sinn. Haben Sie es entschlüsselt?“

Taylor zog eine Packung Zigaretten hervor und schaute Flynn fragend an. Zur Antwort schob der ihm einen Aschenbecher zu. Obwohl der stellvertretende Direktor selbst seit Jahren nicht mehr rauchte, störte es ihn nicht, wenn seine Mitarbeiter es taten. Nachdem er sich eine Zigarette angezündet hatte, lehnte sich Taylor zurück.

„Wie Sie sich sicher erinnern, haben wir uns nach den Anschlägen vom elften September und dem Krieg in Afghanistan die Zentralrechner an den Knotenpunkten des Internets in Afghanistan und Pakistan vorgenommen und dort Virenprogramme installiert.

Viele Afghanen haben kurz vor Kriegsbeginn ihr Land verlassen, emigrierten nach Pakistan, was uns wiederum veranlasste, einen Teil der Emigranten zu überwachen. “

„Das ist mir alles bekannt Karl“, brummte Flynn und schaute demonstrativ auf die Uhr.

„Einen Moment Geduld bitte, Gareth, ich mache es kurz“, beruhigte ihn Taylor und fuhr fort. „Ein Teil dieser Emigranten sind absolute Patrioten und arbeiten immer noch für die gemeinsame Sache. Um sich mit Informationen zu versorgen, benutzen sie den E-Mail Verkehr.

Diese E-Mail kam aus Pakistan. Wir haben sie entschlüsselt. Bis auf die ersten Ziffern und die Buchstabenfolge dahinter. Wenn nötig knacken wir die aber auch.

Diese spezielle E-Mail lief über den Zentralrechner in Islamabad, in dem sie von unserem Virenprogramm bemerkt und außer an den Empfänger auch an einen unserer Briefkästen weitergeleitet wurde. Bei der täglichen Leerung heute holten wir sie mit ab. Wir haben die E-Mail vorrangig behandelt, weil der Absender ein alter Bekannter ist.“

„Wer ist es?“

Der stellvertretende Direktor erhob sich und holte vom Schreibtisch Stift und Notizblock.

„ Raschid Bajun, aktives Mitglied der Kämpfer Allahs, beteiligt unter anderem 1995 an dem Sprengstoffanschlag auf die US Militär Basis in Riad, Saudi Arabien, bei dem sieben Menschen getötet wurden. Die Beteiligung an mindestens 4 weiteren Anschlägen ist bewiesen. Trotz aller Bemühungen des Außenministeriums wurde seine Auslieferung von der pakistanischen Regierung verweigert.“

Flynn nickte. „Die Lage in Pakistan ist nach wie vor prekär. Durch die Einwilligung, amerikanische Truppen auf seinem Boden zu stationieren, hat das Land einen Krieg mit Afghanistan riskiert. Aus diesem Grund hielt sich die Regierung bei der Auslieferung von Terroristen demonstrativ zurück. Diese Haltung versetzte Afghanistans Regierung in den Glauben, Pakistan habe der Stationierung nur unter dem Druck der USA und der UNO zugestimmt.

Was haben Sie denn nun gefunden, als Sie den Code dechiffrieren ließen?“

Taylor gab dem stellvertretenden Direktor ein zweites Blatt. Wortlos reichte er es über den Glastisch. Der gleiche Text stand darauf, nur die Anfangsbuchstaben waren fett gedruckt und unterstrichen.

PFLAUMEN AUF TORTEN SIND YETZT NEU = PATSYN

„Die Überprüfung ergab, dass die PATSY N ein Containerschiff ist, das am 02 .Juni 2006, beachten Sie die Ziffern 060602 auf dem ersten Blatt, in Hamburg eintreffen wird. Das alles deutet auf ein Problem in Deutschland hin“, urteilte Taylor.

Wir tippen darauf, dass es sich bei der restlichen Zahlen- und Buchstabenkombination um die Containernummer und die Reederei handelt, zu der dieser Container gehört.“

Flynn überlegte kurz und sprach seine Vermutungen aus.

„Möglich, dass nach den Anschlägen von London und Madrid nun Deutschland an der Reihe ist. Schicken Sie die Original E-Mail von Bajun mit einer kurzen Zusammenfassung mit allem, was Sie bisher herausgefunden haben, an die Abteilung 5 des Bundesnachrichtendienstes in Berlin.“

Karl Taylor stand auf und strich sich die Jeans glatt. Vorsichtig nahm er die Blätter auf und ließ sie in der Mappe verschwinden. „Sofort wenn ich wieder im Gewölbe bin, Gareth. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Flug.“

Als das Gewölbe wurde Taylors Refugium im Keller bezeichnet, in dem die Hochleistungsrechner der NSA untergebracht waren.

Gareth Flynn nickte ihm zu, während er seinen Aktenkoffer nahm und zur Tür eilte.

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