Over The Rainbow – Der blinde Sucher

Wieder führt John McLane uns durch eine fantastische Geschichte voller Magie und Gefühl. Seine Figuren Nic und Nora, ihrer eigenen Welt entrissen, landen erneut und völlig unerwartet in der Traumwelt. In dieser fremden Welt existieren seit Urzeiten die Bewahrer, eine Gruppe von Wesen, jeder einzelne für die Bewahrung und Erhaltung eines Bereiches ihrer Welt zuständig. Denn ihre Welt existiert nur durch die Fantasie der Träume der Menschen. Die Elfen stellen fest, dass der verbannte, finstere Magier Blind Searcher aus seinem Verlies entkommen ist. Sie schließen das Tor zum Elfenreich, denn wenn es dem Magier gelingt, dieses zu erobern, wird er die gesamte Traumwelt unter seiner Knute haben …

Begleiten Sie Nic und Nora erneut auf ihren Abenteuern durch die Traumwelt, die John McLane erschaffen hat, tauchen Sie ein in ihren scheinbar aussichtslosen Kampf gegen den Blind Searcher und seine finsteren Horden. Begleitet von neuen und alten Gefährten liegen zahlreiche Abenteuer vor ihnen. Eine fantastische Geschichte voller Abenteuer, Spannung, Zauberei und Gefühl …

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Leseprobe:

1.

Die Rückkehr

Dunkle Wolkenberge türmten sich am Himmel und nur hin und wieder drang das Licht der drei Monde durch sie hindurch. Wind trieb die Wolken über den Nachthimmel und Bäume beugten sich dem starken Druck der Luftwirbel. Blätterrauschen erfüllte die Nacht.

Der Berg lag direkt am See, und dort stand der Bewahrer der Erde, gestützt auf seinen Stab am Ufer und schaute zum Nachthimmel hinauf. Sein langer weißer Bart wehte im Wind und die erdfarbene Robe flatterte locker um seinen Körper. Hinter ihm brach unter dem Druck des Windes ein Ast und flog dicht an ihm vorbei. Doch der Alte rührte sich nicht, stand regungslos da und schaute auf die Wellenkämme des Wassers, aufgepeitscht durch den Sturm.

Der Bewahrer der Erde wirkte nachdenklich. Er spürte Gefahr die der Traumwelt drohte. Doch noch konnte er sie nicht erfassen. Seine Stirn legte sich in Falten und besorgt blickte er zu dem Berg hinüber. Das graue nackte Gestein schimmerte im silbernen Licht der Monde, verblasste jedoch, als die Monde wieder unter der dichten Wolkendecke verschwanden. Etwas geschah dort drüben am Berg, er spürte es…

Doch da er es nicht greifen konnte, drehte er sich um und ging durch das Tor im Zaun zu seiner Villa zurück. Seine Gärten warteten auf ihn. Mit einem Lächeln auf den Lippen verschwand er im Haus. Er liebte die Gärten.

Der Sturm wurde stärker. Die Wellen warfen das Wasser an den Strand nahe des Berges, spülten es in die Grotte in seinem Inneren.

In der Grotte war es stockdunkel. Nackte Felswände ragten hoch auf, schwarze, schroffe Felsen. Wellen klatschten gegen den Fels, Wasser spritzte hoch und sprühte wieder in den See zurück.

Rötliches Licht breitete sich aus, schimmerte schwach und wurde immer heller. In dem fahlen Lichtschein zeichneten sich gegenüber der Grottenöffnung Runenzeichen an den Felswänden ab. Siegel der Magie, angebracht vor langer Zeit. Die Runenzeichen erstrahlten hell, schienen in Flammen zu stehen. Etwas geschah, ließ sie erstrahlen.

Das Boot glitt langsam in die Grotte hinein, wurde von den Wellen zurückgeworfen, doch kräftige Ruderschläge überwanden den Widerstand. Ein riesiger Troll hockte in dem Boot und trieb es mit seinen starken Armen auf die Felswände mit den Runenzeichen zu. Der Troll wirkte selbst wie ein Fels. Seine Haut war grau und wie der Fels der Grotte mit tiefen Furchen durchzogen. Sein Gesicht wirkte wie eine hässliche, abstoßende Maske.

Das Boot fuhr knirschend auf den Ufersand auf. Der Troll sprang ins knöcheltiefe Wasser und zog das Boot mühelos heraus. Er legte die Ruder hinein und richtete sich zu seiner vollen Größe von knapp drei Metern auf. Starke Muskeln zeichneten sich an den breiten Schultern ab, als er auf die Felswand zuging.

„Meister,“ flüsterte er und warf sich im weichen Sand vor der Felswand  auf die Knie.

Das rötliche Licht wurde stärker. Der Troll erkannte, dass es von den Runen ausging. Immer heller strahlten sie, brannten förmlich. Der Troll zitterte unkontrolliert. Er wartete nun schon so lange und obwohl der Tag nun endlich gekommen war, erfasste ihn plötzlich panische Angst.

Draußen veränderte sich das Wetter. Die Wolkendecke riss auf und der Sturm erstarb plötzlich.  Sterne wurden sichtbar und ebenso wie die drei Monde sandten sie ihr Licht zur Erde hinunter. Das Wasser des Sees glitzerte silbern, wo ihr Licht es berührte. Friedliche Stille breitete sich aus und die Bäume wiegten sich nur mehr in einer sanften Brise.

Hoch am Himmelszelt schwach zu sehen, aber schnell näherkommend, sauste ein schwarzer mit feinen Silberfäden durchsetzter Wirbel heran, breitete sich aus. Er sah aus wie ein Tornado, drehte sich, wurde trichterförmig nach oben breiter.

Im Inneren der Grotte breitete sich Stille aus. Das Wasser des Sees platschte leise an die Felswände. Doch die Ruhe täuschte. Nach wie vor wirkte es , als stünden die Runen in Flammen und ihr Licht breitete seine rötlichen Strahlen aus.

„Endlich…“

Der Troll hörte die leise, tiefe Stimme und er fühlte in seinem Inneren den Hass, die Bosheit und die eisige Kälte, die sie erfüllte. Er zitterte noch heftiger, gleichsam überrascht, nach all den Jahrhunderten diese Stimme wieder zu hören.

„Meister,“ flüsterte er erneut.

Der Wirbel drehte sich schneller, stand nun direkt über dem See und verursachte heftig drehende Strudel im Wasser. Doch er erzeugte keinen Wind. Nach wie vor wiegten sich die Bäume in der schwachen Brise der Frühlingsnacht. Der Wirbel wanderte, glitt auf den Berg, auf die Grotte zu. Während der Troll zitternd rückwärts auf  Knien von der Felswand zurückwich, drang der Wirbel in die Grotte ein, wanderte auf die Felswand zu. Als er an dem Troll vorbei war, konnte dieser die Runenzeichen nur noch schwach erkennen. Der schwarze Wirbel löste sich auf. Feine Silberfäden drangen in die Runenzeichen ein, deren rotes Licht schwächer wurde. Die Runenzeichen strahlten kurz silbern hell auf und verblassten.

Als der Troll genauer hinsah, erkannte er, dass sich die Runen auflösten. Die eingemeißelten Stellen in der Felswand glätteten sich und schließlich waren sie ganz verschwunden.

Ein lauter, triumphierender Aufschrei drang durch die Grotte. Die Felswand explodierte regelrecht. Felsen schossen durch die Höhle, klatschten laut ins Wasser, das zu Fontänen hochschoss. Das Innere der Grotte glich einem Hexenkessel, als sich die Felswand auflöste und die Trümmer weit in die Grotte und den See hineingeschleudert wurden. Der Troll warf sich zum Schutz hinter einer schroffen Felskante in Deckung. Zitternd und bebend wartete er darauf, dass sich das Chaos um ihn herum auflöste.

Schließlich war es still. Auf der Wasseroberfläche lag nur mehr ein sanftes Kräuseln, schwebender Staub erfüllte die Grotte, senkte sich jedoch langsam.

Frei…endlich frei…

Da war die Stimme wieder und schallendes, boshaftes Gelächter ertönte.

Der Troll rappelte sich auf und kroch hinter der Felskante hervor. Er kletterte über verstreute Felsbrocken, lief zum Boot, nahm eine Fackel heraus und zündete sie an. Rötlicher Schein flackerte über die Stelle, an der sich noch vor kurzem die Runenzeichen befanden. Nun sah er dort einen finsteren, schmalen Gang. Abwartend schaute der Troll hinüber.

Die Düsternis schien sich noch zu vertiefen, Schwarz quoll sie heraus. Der Troll schüttelte sich furchtsam, und doch stand ein Lächeln freudiger Erwartung auf seinen Lippen. Er spürte, dass sein Meister kam!

Die Schwärze wurde noch tiefer, quoll in die Grotte hinein, als die Gestalt aus dem Gang trat. Im Schein der Fackel stand sie da, in eine pechschwarze Robe gehüllt, das Gesicht im Schatten der übergroßen Kapuze verborgen. Die Arme breiteten sich aus und die Ärmel der Robe hingen herab. Jahrhunderte war es her, seit man ihn hinter den Felsen einsperrte und das Verlies mit Runen schützte. Jahrhunderte gefangen durch magische Zeichen, hinter dicken Felswänden. Blinder Sucher hatten sie ihn genannt. Blind Searcher, weil er nicht erkannte, dass die Suche nach schwarzer Magie, nach unbegrenzter Macht, nach Unsterblichkeit zu seinem Verhängnis wurde. Tot und doch nicht gestorben, hatte er die Traumwelt mit seiner Magie vergiftet, mit finsterer, bösartiger Magie. Noch heute flüsterten die Lebewesen der Traumwelt seinen Namen nur hinter vorgehaltener Hand: Blind Searcher!

Doch nun war er zurück!

Frei, endlich frei. Robuck, mein treuer Diener,begrüßte der Magier den Troll. „Jahrhunderte hast du auf meine Rückkehr gewartet, warst mir immer treu. Nun werde ich dich belohnen. Frei, endlich frei, durch die Gefühle eines Menschen!“

Brüllendes Gelächter hallte in der Grotte wieder, triefend vor Hass und Bösartigkeit. Langsam, schwebend bewegte sich der Magier zu dem Boot, seine Füße berührten den Boden nicht. Der Troll stieg ebenfalls hinein, stieß es ab und griff zu den Rudern. Er tauchte sie tief ins Wasser und seine gewaltigen Muskeln spannten sich, als er zu kräftigen Schlägen ansetzte.

Der Magier stand in dem Boot, während es aus der Grotte auf den See hinausglitt. Die Arme verschränkt, bewegungslos, eingehüllt in die pechschwarze Robe. Kurz blitzten rötlich glühende Augen unter der Kapuze auf, dann entschwand das Boot jeglichen Blicken, eingehüllt in die pechschwarze Aura des Blind Searcher!

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